Passages
Nat Faulkner, Solomon Garçon, Keta Gavasheli, Gaylen Gerber mit Leah Ke Yi Zheng, Hervé Guibert, Nour Mobarak, Henrik Olesen, B. Ingrid Olson, Anastasia Pavlou, Matthew Peers, Cora Pongracz, Pope.L, Ariana Reines und Oscar Tuazon, Dieter Roth, Sava Sekulić
Passages ist eine Ausstellung über die Veränderlichkeit von Materie und Form. Während sich Fragen zu Form häufig darauf beziehen, wie Material in eine Form gebracht wird, widmet sich die Ausstellung zugleich der existentiellen Dimension, die einem erweiterten Formbegriff innewohnt. Der Moment, in dem etwas Gestalt annimmt, ist oft zugleich der Moment, in dem eine Existenz bzw. Präsenz angedeutet wird, während umgekehrt die Auflösung oder Aufhebung einer Form häufig mit einem Verschwinden, Verlust oder gar einer Zerstörung einhergeht. In der Ausstellung wechseln sich Momente der Formwerdung und der Formauflösung ab; es werden Werke gezeigt, die sich weder als vollständig «stabile Form» noch als formlos fassen lassen, sondern in einem Zustand des Dazwischen existieren. Sie schaffen Form und deuten gleichzeitig die Möglichkeit ihrer Auflösung an, als würden sie eine grundlegende Instabilität spiegeln. Auch wenn in der Ausstellung Objekte zu sehen sind, liegt der Fokus weniger auf einer festen Gestalt als auf einer Verschiebung und dem Potential einer Transformation. Materie wird als ein Ort der Wandlung betrachtet, einschliesslich körperlicher und psychischer «Materie». Im Zentrum stehen Werke, die von einer Zustandsveränderung handeln – von einem Material in ein anderes, von einer Zeitlichkeit in eine andere, von einer Erscheinungsform in eine andere. Manchmal sind es anarchische und zersetzende Kräfte, die diese Transformation bewirken, und manchmal auch nur die vergehende Zeit und mit ihr eine Art von «Verwitterung» und Vergänglichkeit.
Diese Auseinandersetzung mit Form und ihrer Aufhebung teilt etwas von dem, was bereits mit Konzepten wie Formless (Rosalind Krauss/Yve-Alain Bois) oder Plasticity (Catherine Malabou) beschrieben worden ist. An die Stelle einer Beschäftigung mit dem Transgressiven tritt hier allerdings eine Aufmerksamkeit auf subtile und nicht immer sofort wahrnehmbare Verschiebungen. Die Werke, die sich zwischen verschiedenen Existenzzuständen bewegen, verweisen auf zeitliche und materielle Formveränderungen, von denen einige auch über die zeitliche Begrenztheit der Ausstellung hinaus fortwirken. Zeit wird hier zu einer wesentlichen Kraft – nicht nur für die Verdichtung, Akkumulation und Hervorbringung einer Form, sondern auch für ihr Verblassen.
Passages vereint sowohl neu konzipierte als auch historische Werke von Künstler*innen unterschiedlicher Generationen, die Form als etwas potentiell Unabgeschlossenes und Prozesshaftes verstehen. Als Ganzes betrachtet folgt die Ausstellung einer pulsierenden Bewegung – sie widmet sich Dingen in einem Zustand der Transformation und vermittelt damit selbst zwischen Konkretem und Abstraktem sowie zwischen Formen, die vielleicht «noch nicht» oder «nicht mehr» sind.
Die Ausstellung wird von einem Veranstaltungsprogramm begleitet, das in Kürze publiziert wird.