Symposium zum Werk von Olga Balema
Während dieses Symposiums über Olga Balemas Praxis werden die Kuratorin Matilde Guidelli Guidi (Dia Art Foundation, New York) und die Kunsthistorikerin Charlotte Matter (Universität Basel) Vorträge halten, die Balemas Werk in historische und zeitgenössische Diskurse einordnen.
Der Eintritt ist frei und beide Vorträge werden auf Englisch gehalten.
Matilde Guidelli-Guidis Vortrag gibt eine Übersicht über Olga Balemas Werk der letzten zehn Jahre – von ihren wasserbasierten, verschweissten Plastikarbeiten Cannibals, den Elastics-Skulpturen, bis hin zu Computer und ihren jüngsten Foams- und Loops-Arbeiten. Es sind Werke, zu denen die Künstlerin jüngst zurückkehrt und damit die Möglichkeit untersucht, in der Wiederbetrachtung und Wiederholung von kontextuellen Arbeiten etwas Neues entstehen zu lassen. Guidelli-Guidi untersucht den roten Faden im Werk von Olga Balema und fokussiert dabei unter anderem auf die Verbindungslinien ihrer Praxis mit dem historischen Erbe ortsspezifischer, minimalistischer und prozessbasierter Kunst seit den 1960er Jahren.
Matilde Guidelli-Guidi ist Kuratorin und Co-Leiterin der kuratorischen Abteilung der Dia Art Foundation in New York, wo sie unter anderem Ausstellungen mit Werken von Duane Linklater, Senga Nengudi, Cameron Rowland, Kishio Suga, Meg Webster und Jack Whitten organisiert hat, sowie die Publikationen Jack Whitten: The Greek Alphabet Paintings (2023), Senga Nengudi: Populated Air (2025), sowie Artists on Agnes Martin (2026) herausgegeben hat. Sie verantwortet die permanent installierten Arbeiten der Dia Art Foundation von Walter De Maria, Max Neuhaus und Joseph Beuys, und lädt im Rahmen der Artists on Artists Lecture Series zeitgenössische Künstlerinnen ein, auf das Werk anderer Künstlerinnen sowie auf die institutionelle Geschichte der Dia Art Foundation zu reagieren. Derzeit arbeitet Guidelli-Guidi an kommenden Ausstellungen zu Alighiero Boetti, Richard Tuttle und Éliane Radigue.
Charlotte Matters Vortrag Wounded Materials: Wear and Repair in the Work of Olga Balema untersucht den Aspekt von materieller Beschädigung im Werk von Olga Balema: Erschöpfte, beanspruchte und ausgeleierte Elastikbänder, die mit Knoten, Klebstoff und Farbe sorgfältig repariert sind; oder Schaumstoffe und PVC-Blachen, die zerschnitten und mithilfe von Latex wieder zusammengefügt sind. Die Präsentation fokussiert auf Formen der Abnutzung und der Verwundung und rückt die materielle Verletzlichkeit von Balemas Werken in den Vordergrund. Diese Gesten werden des Weiteren in einen Zusammenhang mit der Materialität von Plastik gestellt – Materialien, die mit Kapitalismus, Ausbeutung, Erschöpfung, Konsum, Wiederholung, und Oberflächeneffekten assoziiert werden. Balemas Werk wird dabei in einen Dialog mit den Praktiken historischer Künstler*innen gestellt, die sich auf ähnliche Weise mit materiellem Zerfall beschäftigt haben. Die Präsentation schlägt des Weiteren die Naht als eine zentrale ästhetische und konzeptuelle Figur vor, anhand derer sich über Beschädigung nachdenken lässt, genauso wie über Akte der Heilung.
Charlotte Matter (sie/ihr) ist Laurenz-Assistenzprofessorin für zeitgenössische Kunst an der Universität Basel. Zu ihren Forschungsinteressen gehören feministische Kunst, Materialität und Klasse. Ihr Buch, Feminist Substances: Plastics in Art of the 1960s and 1970s, erscheint 2026 bei Manchester University Press. Sie ist Mitherausgeberin von Sculpture Journal und Mitbegründerin des Forschungsprojekts «Rethinking Art History through Disability» sowie des Kollektivs CARAH – Collective for Anti-Racist Art History.